Es war in einem dieser neuen Regionalzüge, mit unaufdringlichen LED-Seitenlichtern und dezentem Blau auf der Gepäckablage. Die Sitze noch im Vollbesitz ihrer Farbe, die Armlehne aus hellem Holz, wie elegant sich die Pendler auf sie stützen. Der Boden noch rein, wie gemalt, ein Kunstwerk aus mal eher schwarzen mal eher weißen Grautönen, auf denen die Lederschuhe etwas Vollendetes an sich hatten. Doch sie lagen in einem ergreifenden Schatten. Denn das wahrlich virtuose an diesem bisher kältesten und nahezu letzten Novembermorgen aber war die aufgehende Sonne; das Licht am Horizont, erst ganz knapp über die Industrieanlagen und Hochhäuser, dann alles überragend, war von Anmut besessen. Es war eines dieser tieforangenen Sonnentöne, wie es sie nur im Nebel eines aufkeimenden Winters geben kann. Das Zugabteil war erfüllt von dem warm leuchtenden Schein, es fühlte sich so sanft an, wie ein auf der Haut dahinschmelzender Schneekristall, mit der Behutsamkeit eines Marienkäfers, der auf den Fingerspitzen wandert und dessen Vorstellung Gedanken an den Frühling zurückbringt. Ohhh ja, es war Frühling im Zug.

Beitragsbild: Quelle

Geschrieben von Jim Kopf

Ich bin jung und sitze im Zug. Ich fühle, beobachte und schreibe. Ich bin immer unterwegs. Komm' und setz' dich neben mich!

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