Autor: Jim Kopf
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Ein offener Brief an das Unterbewusstsein
Liebes Unterbewusstsein, dich gibt es, seit es mich gibt. Wir koexistieren seit über zwanzig Jahren, ich, mein Bewusstsein, und du, mein Unterbewusstsein. Wir leben nicht erst, seit wir denken können, die fragmentarische Wahrnehmung teilte sich schon bei unserem ersten Augenschlag in uns auf. Vielleicht bist du sogar älter, während mein Bewusstsein noch schlief, hast du instinktiv gehandelt,…
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Definitiv kein Reisebericht | Helsinki im Winter
Brathähnchentechnisch läuft es beim knapp über Siebenundsechzigjährigen an der Schlemmertheke im Ankunftssaal des Flughafens Helsinki-Vantaa. Geröstet und mit einer knapp drei Milimeter dicken Fettschicht umantelt liegt es da, hilflos, mit schmerzenden Gabelstichen in der Brust, tiefe Einschusslöcher im weißen Fleisch, das durch präzise Handbewegungen, die etwas brutales, bestialisches an sich haben, mehr oder weniger genussvoll…
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Masse
Ich steige aus der Straßenbahn, setze meinen Lederschuh auf das nasse Asphalt des Markplatzes, auf dem in schlichter Größe meine Universität untergebracht ist. Es ist früh, die Sonne scheint heute nicht aufgegangen zu sein, der weißgraue Himmel ist so sehr bewölkt, dass die einzelnen Wolken nicht sichtbar sind, sie fließen zu einer dichten Masse zusammen…
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Chronologie eines Montagmorgens
07:30 Uhr: Ich unterbreche mein Buch und muss aufschreiben, dass ich eine fast panische Angst davor habe, dass bei all den wunderschönen Erlebnissen in diesem noch jungen Jahr eine kleine Katastrophe auf mich zusteuert, quasi als Ausglech, dass es mir nicht zu gut gehen soll, dass ich Demut zeigen soll und die wirklich wichtigen Dinge…
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(K)ein normaler Reisebericht | Stockholm im Winter
Ein Flugzeug steht im plötzlich eintretendem Schneeregen auf dem Rollfeld des Flughafens, dicke nasse Flocken zeichnen im Antlitz der sich zugezogenen Wolkendecke ein Bild des Unbehagens. Die schweren Flügel ausgebreitet, der Belastung einer minimalen, zerfließenden, augenblicklich schmelzenden Schneedecke ausgesetzt, nein, sie wächst und bleibt liegen, warum, ich muss doch jetzt fliegen, in den Schnee fliegen, die…
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Gefriert Bier bei -15 Grad? | Stockholm im Winter
Es wird Zeit für die nächste Reise. Nunja, nennen wir es nicht Reise, denn Reise nenne ich ab sofort nur noch diejenigen Selbstfindungstrips, auf die ich mich alleine begebe, die hinaus in die Welt abseits der bekannten Metropolen und allem Gewohnten führen. Nennen wir es schlicht und einfach Trip. Ein Städtetrip mit Brudi. Wer ist…
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Schiefer Horizont
Manchmal denke ich, dass der Horizont schief ist. Dass nicht ich meine Kamera schief halte, sondern der Horizont tatsächlich schief ist. Uneben, so als wäre er sich nicht seiner Aufgabe bewusst, gerade zu sein, eine horizontale Perfektion vorzutäuschen. Blicke auf den Horizont münden in Sehnsucht. Irgendwo möchte ich hin. Am Horizont wartet die Antwort. Doch…
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Jahresende am Anfang
Die Welt ausgeblendet. Stehe ich da im Halbdunkel des Vollmonds mitten auf einem Feld an einer Landstraße. Unweit von meinem Zuhause entfernt, doch gerade erst für mich entdeckt. Kahle Bäume festgewurzelt im Schatten von riesigen Strommasten, durchleutet von ein paar wenigen vorbeifahrenden Autos. Ich habe Kopfhörer auf, höre Musik, die tief in meine Seele dringt.…

