Autor: Jim Kopf
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Chronisches Schnupfen
Alles fing an, als ich mir diese eine Frage stellte: Ist Schnupfen eine logische Nebenerscheinung des Nachdenkens? Bekanntlich denke ich viel und oft und lange nach. Doch mit dem Auftauchen dieser Frage ist zudem etwas anderes aufgetaucht – das Bewusstsein für eine laufende Nase. Sie läuft und läuft und wenn’s nicht aufhört resultiert es in…
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Drei Worte
Es sind nur drei Worte die dich kränken lassen lieben wir einander vorbei oder ist dein Herz und mein Kopf grundverschieden wir kriegen den Kopf nicht zu und das Herz nicht auf. Es sind nur drei Worte die dich träumen lassen liegen wir am Boden oder rennen wir auf dem Mond über Krater über Stein…
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1.8
Spät in der Nacht gelingen mir oft die genialsten Spontaneinkäufe. Zugegeben, meine Amazon-Bestellungen nach Mitternacht sind selten von wirklich wichtiger Bedeutung und resultieren meist aus übermäßigem Alkoholkonsum (musste das 37-teilige Schraubendreherset wirklich sein?). Doch hier und da wird mir am nächsten Tag (Prime) etwas wirklich Wunderbares geliefert: Vergangene Tage durfte ich ein brandneues 50mm 1.8 STM Objektiv für…
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Ein Nachtgedanke
In der Dunkelheit erscheinen Gedanken wie Körper, ich kann sie greifen, fühlen, erleben. Es gibt nichts, das sie einschränken könnte; dem Licht entgegen, das auf die Augen fällt und all die Wahrheit unter die Haut des Oberflächlichen verschließt. Nie mehr als in der Nacht können Gedanken größer als man selbst werden. Wenn sie erwachen und gedeihen,…
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Mach die Augen auf, alter
Guck mich an. Guck nicht ihn an, der auch auf sein Smartphone schaut. Guck mich an oder sie an oder den alten Mann an, der gelborangene Sonnenstrahlen in seinem warmen Blick hat, seine Augen, ein feuchter Grünton, guck den Baum an, der für eine Milisekunde an deinem Blickfeld vorbeirauscht, so unscharf aber so strahlend grün…
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Eine Hommage an die erste eigene E-Gitarre
Als ich sechs Jahre alt war, drückte mir mein Vater an einem ganz gewöhnlichen Montagabend im Frühling 1998 eine E-Gitarre in die Arme. Seine Augen leuchteten, meine Augen leuchteten. Es schien ihm viel zu bedeuten und deswegen bedeutete mir es auch viel, auch wenn ich nicht einen Ton spielen konnte, es noch nie probiert hatte,…
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Unglücklich über’s Glücklichsein
Och man, da bin ich einmal glücklich, und schon bin ich unglücklich, weil ich glücklich bin. Glücklichsein schränkt mich nämlich enorm ein. Ich lese weniger, ich schreibe weniger. Die Stimmung, in der meine Gedanken in abgefahrene, total durchdachte und lyrisch wie belletristisch höchst anspruchsvolle Texte münden, ist von einer mich völlig einnehmenden Melancholie, dem Feind…
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Die Vision(en) des potenziellen Schriftstellers
Der Drang zu schreiben nimmt Überhand. Jetzt in diesem Moment sind sie da, diese Wolken voller Wörter, die zusammengefügt werden wollen. Ein Schreibgewitter loslassen. Nervös tippt mein rechter Fuß auf den Boden, mitten im Vorlesungsraum der Universität, ich werde angefaucht Junge!, halt Still, doch ich kann nicht, obwohl ich selbst nichts weniger leiden kann als…
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Einfach leben
Irgendwo zwischen der Banalität des Alltags, vom Wecker geweckt zu werden, sich aus dem Schlaf zu quälen, die Bahn zur Arbeit zu nehmen, und dem seltenen Entzücken des Ungewöhnlichen, den Flug in ein fremdes Land nehmen, sich dem Wachsein hinzugeben, vom Wecker unabhängig schlafen zu können, in dieser lächelnden Zufriedenheit, am Tage etwas besonderes erlebt…
