Nach dem nervenaufreibenden wie fantastischen Abenteuer der ersten Bergbesteigung meines Lebens habe ich einen Tag auf der Huskyfarm verbracht, die ich für zwei Übernachtungen über Airbnb im Voraus gebucht hatte. Da ich erst gegen 4 Uhr nachts im Bett lag begann der nächste Tag gegen 12 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück. Elch- und Walsalami (wobei ich aus irgendeinem abstoßenden Grund die Walsalami nicht essen konnte, die Elchsalami dagegen schon) auf norwegischen Brot gepaart mit Enteneiern (die sich äußerlich und geschmacklich nur durch die etwas wuchtigere Größe von normalen Eiern unterscheiden) und natürlich einen riesigen Pott Kaffee. Alles richtig gemacht mit der Auswahl des Gastgebers.
Die Huskyfarm – ein einsam gelegenes Häuschen in einem Dorf mit 15 Einwohnern links oben auf einer Inselgruppe in Norwegen. Hört sich schon von selbst toll an, zum Abschalten, zum Auszeit nehmen, zum Nachdenken und zum Erleben eines sicherlich einzigartigen Abenteuers. Der Tag der deutschen Gastgeber beginnt meist schon – ähm ja, früh. Als ich um 4 Uhr nachts (bzw. morgens) von meiner Bergbesteigung zurückkam traf ich auf Uwe, der gerade ein paar Huskies beim Spazieren begleitete. Musst du immer so früh aufstehen??? – Nicht immer, aber schon öfters… sagte er mit einer gelassenen Bescheidenheit und ich wusste, das Pflegen von 24 Hunden und vor allem die damit verbundene Arbeit ist kein Urlaub zum Entspannen. Beeindruckt und teils demütig zollte ich ihm mit einem Nicken meinen Respekt und legte mich todesmüde, glücklich und ausgeglichen in mein Bettchen, das aufgrund meiner heraushängenden Füße wohl eher für kleinere Menschen konzipiert wurde, was mich aber nicht weiter störte.
Lautes Hundegebell holt mich aus dem Schlaf. Nicht das Gebell eines aus der Reihe tanzenden Rüden dem man in der Heimat an einem viel zu frühen Sonntagmorgen am liebsten einen Socken in den Mund stopfen möchte. Nein. Das potente Gebell von 18 kräftigen wie unglaublich schönen, nahezu mustergültig gezeichneten Huskies, die wie Arnold Schwarzenegger nach einem 6 Stunden Workout auf ihr Eiweiss warten. Plus 6 Husky-Welpen – muss‘ wohl kaum anmerken, dass diese in einem Schönheitswettbewerb bei einer Bewertungsskala von 1 bis 48 sich mit identischen 48 Punkten den ersten Platz teilen müssten, die quietschend wie abspielbare Kuscheltiere ihre stolzen Eltern nachahmen zu versuchen. Nach dem Frühstück, eingepackt in dreckresistente Kleidung, nehme ich an der Fütterung teil. Das hört sich zwar nach einer touristischen Attraktion an, war aber ein intimer Einblick für mich in den in meinen Augen sehr herausforderndem Alltag der ausgewanderten Huskyfarmbetreiber. Mit Vorbereitung des für normale Haustiere nicht zu vergleichenden Hundefutters dauerte das Spektakel fast 2 Stunden! 2 Stunden Gebell plus süße Zwischentöne aus den Ecken der Neugeborenen. Eine ungewohnte Belastung für meine Ohren. Wie ein Metal-Konzert. War noch nie auf einem. Aber stelle es mir so ähnlich vor.
Anschließend waren alle 24 Hunde bereit, mit mir zu spielen. Leicht überfordert versuche ich, in den wenigen Momenten, in denen mich kein Welpe anspringt, einigermaßen schöne Fotos zu schießen.
Den Rest des Tages verbrachte ich mit den Hunden in den Gehegen, in der Wohnung, beim Auslaufen und auf meiner Schulter. Zumindest die Kleinen. Aber mit erneuter Fütterung am Abend und der Pflege, dem Saubermachen, dem Kuscheln und Herumrennen verging der Tag im Flug. Hätte aber zu gerne eine Schlittentour gemacht. Naja, es war Juni, der Schnee hat sich irgendwo ganz weit oben in den Bergen versteckt. Und mein linker, immer noch schmerzender Arm (den ich einen Monat nach Norwegen nun verdammt nochmal schon wieder gebrochen habe, was zur Hölle) hätte es vermutlich sowieso nicht möglich gemacht. Muss ich wohl im Winter ein zweites Mal die Huskyfarm besuchen… 😉
Dann ging ich, trotz der doch überraschend anstrengenden Beschäftigung tagsüber, relativ erholt ins Bett, schrieb ein paar Zeilen, ließ die Musik noch ein wenig laufen und driftete mit meinen Gedanken in den Schlaf.
Am nächsten Tag wird eine Walsafari auf mich warten und die Wanderung 20 Kilometer Richtung Süden, wo ich irgendwo in der Natur mein Zelt aufschlagen werde. Im nächsten Kapitel wirst du dann lesen, warum das Whale Watching sooo was von spaßig war (NICHT), der 20 Kilometer-Marsch mir anschließend LEICHT auf die Beine ging und ich der weltweit größte Idiot im Lagerfeuer machen bin…
Liebe Grüße,
Jim







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