Der schwarze Mantel ist zurück, und mit ihm die schwarze Hose, die schwarzen Schuhe. Darin fühle ich mich wohl, es bekleidet den Herbst mit der Stimmung, in der ich mich befinde. Wie ein Schneesturm reißt die erste Kälte am frühen Morgen die Sommerreste auf den erröteten Blättern und erbleichten Pendelgesichtern mit sich, nur dass der Schnee noch in weiter Ferne liegt, ob überhaupt Schnee fallen wird? Wärme fließt über die Kopfhörer auf mein Empfinden, zart und sanft und mit der Ruhe eines schwerelosen Atemwölkchens gleitet melancholischer Folkpop in den unmittelbaren Raum um mich, wie sähe wohl meine Aura nun aus? Zu definieren, was ich dort denke und was ich dort fühle, auf die Einfahrt der Bahn wartend, auf dem manhattengrauen, glanzlosen und zermürbten Pflasterstein stehend, der sich offenbar kaum über die Sommermonate erholt hat, das würde mir nicht gelingen; liegt dort doch zu viel Unbestimmtes, das die gleichen Fragen des letzten Winters wieder aufwirft, von dem Sinn und dem Glück und der Zufriedenheit der Umstände. Wie einfach mir es fällt, im Keim der aufkommenden Kälte, tief versunkene Hände in den Manteltaschen, wo ist die Kippe?, ach, ich habe aufgehört, zu zweifeln. Wie sagte jemand einst, Zweifel sei die Voraussetzung für Veränderung. Jedoch liegt das Potenzial der Veränderung unter dem nicht existenten Aktionsradius einer Zeitspanne begraben, die mich daran hindert, neue Wege gehen zu können. Bald!, ja bald, nach diesem Winter, bestünde die Möglichkeit, dass der Bahnhofsasphalt um einen Pendler ärmer ist, wo ist er?, weit weg oder doch ganz nah, mit ihr, er schreibt und schreibt und verwirklicht sich.

Geschrieben von Jim Kopf

Ich bin jung und sitze im Zug. Ich fühle, beobachte und schreibe. Ich bin immer unterwegs. Komm' und setz' dich neben mich!

6 Kommentare

  1. diese kopfhörer tragen mich über das pflaster schon durch zu viele winter… und sommer.
    das tweifeln kommt mir zuweilen vor wie eine lästige fliege, die man nur schwer los wird, die man aber nicht erschlagen will/und kann.
    so hülle ich mich in deinen schwarzen mantel.
    (danke, dass du immer wieder mit so unsagbar dichten texten meine zeit zum leuchten bringst 😍)

    Gefällt 1 Person

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