Autor: Jim Kopf
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Ein Ort in Echtzeit
Ich sitze in einem schön hergerichteten Park unweit des Zentrums von Dublin, sorgfältig begossene Blumen in roten und rosaroten Farben umgeben von kleinen Sträuchern, bei denen man das Gefühl hat, sie wären zu klein, zumindest in dem Maße, dass sie künstlich wirken, und betrachte die Großstadt als das, was sie ist: Ein Ort voller Menschen.…
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Jim nach Dublin
Nichts ist schlimmer, als sich mit einer Reise zu beschäftigen, sie quasi in Gedanken schon durchgeht, vom Start des Flugzeugs bis zum Sonnenuntergang an den Klippen der Küste, nur um dann, einige Stunden und damit einige Flug- und Unterkunftsrecherchen später, den gelbschwarzen „Abbrechen“-Button der Airline zu betätigen. Die anschließende Frustration ist so heftig, dass man…
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Unergründlich
Ich laufe in meiner Wohnung auf und ab, den Kopf gesenkt, die Augen auf den beigebraunen Parkettboden gerichtet, äußerlich wie innerlich in einer bedeutungsschweren wie schwer zu fassenden Tiefe versunken, immer zurück zur Ausgangsposition, aus der ich eben kam, gleichwohl in die Gegenrichtung meines Herzens. Wie unterschiedlich aufgeladene Pole stoßen sich die Orte im Raum…
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Am Ende wird alles gut (Til Schweiger – Tribut)
Verdammte Axt, ich weiß gerade überhaupt nicht, worüber ich schreiben soll. Natürlich könnte ich jetzt wieder mit einem Text dieser sehr tiefsinnigen Sorte anfangen, von wegen der Baum, dessen Laub unter dem schwarzgrauen Regenhimmel die Äste beschützt, ist grün, so grün wie Bäume, ähm, nun einmal im Fastsommer sind. Habe ich aber gerade kein Bock…
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Die Nacht, in der ich nicht schlafen konnte
Flüchtig warf sich mein Blick in das Spiegelbild, das es auf dem Weg ins Bett, vorbei an der massiven Holztür, der zeitgeschalteten Stehlampe und dem Bücherstapel, zu passieren galt. Wäre es nicht so dunkel gewesen, hätte ich mich ohne weiteres auf das Bett geworfen; zwei Daunenkissen lagen sorgfältig aufgereiht nebeneinander, die schwarze Decke lappte an…
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Irgendwo im Bürotraum
Um 16:20 Uhr träumte ich gestern von Tibet. Von Tibet und Nepal und Chile und Alaska. Geographisch also eher unentschlossen streiften meine schwarzgrauen Wanderschuhe auf dem steinigen Geröll der Achttausender umher, rutschten planmäßig ab und fielen in den brütend heißen Dschungelsumpf im Norden Chiles, wenn es denn dort überhaupt einen Dschungel gab, denn mein Unterbewusstsein vergaß…
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Im Rausch des Frühlings
Vom Sonnenlicht aufgewärmt glühte das blauschwarz karierte Muster des Sitzüberzuges in der Regionalbahn wie die Hitzewallung über dem Grill oder im Hochsommer, die zittrigen Schwingungen der Luft verformten den Raum über der Sitzgelegenheit zu einer andersdimensionalen, schwülduftenden Umgebung, in die sie eintrat, um zum Meer zu fahren. Der Zug kroch aus dem Halt und ließ…
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10 Minuten vor der Klausur
10 Minuten noch. Zehn Minuten bis mir eine dreiseitige Klausur vorgelegt wird. Fünf bis zehn gekachelte Blätter werden beilegt, die nackt und unbeschrieben mit thematisch korrektem Gedankengut gefüllt werden wollen. Ich hasse diesen Zwang, ein weißes Blatt mit Buchstaben und Wörtern und Zahlen füllen zu müssen, die nicht meiner eigenen Fantasie entsprechen, sondern lediglich das Produkt vorausgegangenem…
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Der traurige Alltag eines Studenten
Unheilvoll steigt der Rauch auf dem Dach meiner Universität auf, es brennt, brennt!, oh wie traurig und herzzerreißend und schlimm, die vielen jungen Studenten, sie werden verbrennen, sie werden schmelzen, ihre Haut tröpfelt auf die blanken Holztische, die das vernebelte Dienstagslicht spiegeln, von wenigen Schatten der weißen Säulen belegt, die so festgefahren und stämmig ein…
