Kategorie: alltag

  • Dunkel und fast Nacht

    Dunkel und fast Nacht

    Es ist dunkel und fast Nacht. Hochhäuser mit Lichter rauschen an mir vorbei. Der Zug trägt mich zum heimischen Bahnhof. Ich bin betrunken, mein Kopf lehnt an der Scheibe. Sie ist kalt, nicht so kalt wie draußen, aber kalt genug, damit die Haut an ihr friert. Ziehe den Kopf zurück, setze die Kopfhörer auf, ein…

  • Sezierung des Tages

    Sezierung des Tages

    Mein Tag begann unerträglich früh. Oder spät, je nach Sichtweise. Um 01:27 Uhr in der Nacht erlaubten mir die wirklich bis auf den letzten Stichpunkt meiner imaginären ToDo-Liste abgearbeiteten Pflichten den Sturzflug ins natürlich nicht ordentlich hergerichtete Bett, ehe mich nach weiteren zehn Minuten unfreiwilligem Lauschens der sich in den angrenzenden Garten angesiedelten Grillenschweine der…

  • Unglücklich über’s Glücklichsein

    Unglücklich über’s Glücklichsein

    Och man, da bin ich einmal glücklich, und schon bin ich unglücklich, weil ich glücklich bin. Glücklichsein schränkt mich nämlich enorm ein. Ich lese weniger, ich schreibe weniger. Die Stimmung, in der meine Gedanken in abgefahrene, total durchdachte und lyrisch wie belletristisch höchst anspruchsvolle Texte münden, ist von einer mich völlig einnehmenden Melancholie, dem Feind…

  • Die Vision(en) des potenziellen Schriftstellers

    Die Vision(en) des potenziellen Schriftstellers

    Der Drang zu schreiben nimmt Überhand. Jetzt in diesem Moment sind sie da, diese Wolken voller Wörter, die zusammengefügt werden wollen. Ein Schreibgewitter loslassen. Nervös tippt mein rechter Fuß auf den Boden, mitten im Vorlesungsraum der Universität, ich werde angefaucht Junge!, halt Still, doch ich kann nicht, obwohl ich selbst nichts weniger leiden kann als…

  • Einfach leben

    Einfach leben

    Irgendwo zwischen der Banalität des Alltags, vom Wecker geweckt zu werden, sich aus dem Schlaf zu quälen, die Bahn zur Arbeit zu nehmen, und dem seltenen Entzücken des Ungewöhnlichen, den Flug in ein fremdes Land nehmen, sich dem Wachsein hinzugeben, vom Wecker unabhängig schlafen zu können, in dieser lächelnden Zufriedenheit, am Tage etwas besonderes erlebt…

  • Die Nacht, in der ich nicht schlafen konnte

    Die Nacht, in der ich nicht schlafen konnte

    Flüchtig warf sich mein Blick in das Spiegelbild, das es auf dem Weg ins Bett, vorbei an der massiven Holztür, der zeitgeschalteten Stehlampe und dem Bücherstapel, zu passieren galt. Wäre es nicht so dunkel gewesen, hätte ich mich ohne weiteres auf das Bett geworfen; zwei Daunenkissen lagen sorgfältig aufgereiht nebeneinander, die schwarze Decke lappte an…

  • Irgendwo im Bürotraum

    Irgendwo im Bürotraum

    Um 16:20 Uhr träumte ich gestern von Tibet. Von Tibet und Nepal und Chile und Alaska. Geographisch also eher unentschlossen streiften meine schwarzgrauen Wanderschuhe auf dem steinigen Geröll der Achttausender umher, rutschten planmäßig ab und fielen in den brütend heißen Dschungelsumpf im Norden Chiles, wenn es denn dort überhaupt einen Dschungel gab, denn mein Unterbewusstsein vergaß…

  • Im Rausch des Frühlings

    Im Rausch des Frühlings

    Vom Sonnenlicht aufgewärmt glühte das blauschwarz karierte Muster des Sitzüberzuges in der Regionalbahn wie die Hitzewallung über dem Grill oder im Hochsommer, die zittrigen Schwingungen der Luft verformten den Raum über der Sitzgelegenheit zu einer andersdimensionalen, schwülduftenden Umgebung, in die sie eintrat, um zum Meer zu fahren. Der Zug kroch aus dem Halt und ließ…

  • Der traurige Alltag eines Studenten

    Der traurige Alltag eines Studenten

    Unheilvoll steigt der Rauch auf dem Dach meiner Universität auf, es brennt, brennt!, oh wie traurig und herzzerreißend und schlimm, die vielen jungen Studenten, sie werden verbrennen, sie werden schmelzen, ihre Haut tröpfelt auf die blanken Holztische, die das vernebelte Dienstagslicht spiegeln, von wenigen Schatten der weißen Säulen belegt, die so festgefahren und stämmig ein…

  • Masse

    Masse

    Ich steige aus der Straßenbahn, setze meinen Lederschuh auf das nasse Asphalt des Markplatzes, auf dem in schlichter Größe meine Universität untergebracht ist. Es ist früh, die Sonne scheint heute nicht aufgegangen zu sein, der weißgraue Himmel ist so sehr bewölkt, dass die einzelnen Wolken nicht sichtbar sind, sie fließen zu einer dichten Masse zusammen…