Kategorie: gedanken

  • Im Montagsregen

    Im Montagsregen

    Zertretene Kippen liegen wie Sternbilder auf dem brüchigen Bahnhofsasphalt, hier aufgeplatzt und dunkelgrau bis schwarz im Inneren, dort nass und glänzend im Montagsregen. Wie eine weißgraue Fußmatte klopfen die Wolken ihren über der kalten Nacht aufgestauten Regenstaub auf die Menschen herab, die alle irgendwie anonym und blass erscheinen, ohne Gesicht, ohne Eigenschaften, nur Körper die zur…

  • Dunkel und fast Nacht

    Dunkel und fast Nacht

    Es ist dunkel und fast Nacht. Hochhäuser mit Lichter rauschen an mir vorbei. Der Zug trägt mich zum heimischen Bahnhof. Ich bin betrunken, mein Kopf lehnt an der Scheibe. Sie ist kalt, nicht so kalt wie draußen, aber kalt genug, damit die Haut an ihr friert. Ziehe den Kopf zurück, setze die Kopfhörer auf, ein…

  • Ein Nachtgedanke

    Ein Nachtgedanke

    In der Dunkelheit erscheinen Gedanken wie Körper, ich kann sie greifen, fühlen, erleben. Es gibt nichts, das sie einschränken könnte; dem Licht entgegen, das auf die Augen fällt und all die Wahrheit unter die Haut des Oberflächlichen verschließt. Nie mehr als in der Nacht können Gedanken größer als man selbst werden. Wenn sie erwachen und gedeihen,…

  • Die Vision(en) des potenziellen Schriftstellers

    Die Vision(en) des potenziellen Schriftstellers

    Der Drang zu schreiben nimmt Überhand. Jetzt in diesem Moment sind sie da, diese Wolken voller Wörter, die zusammengefügt werden wollen. Ein Schreibgewitter loslassen. Nervös tippt mein rechter Fuß auf den Boden, mitten im Vorlesungsraum der Universität, ich werde angefaucht Junge!, halt Still, doch ich kann nicht, obwohl ich selbst nichts weniger leiden kann als…

  • Unergründlich

    Unergründlich

    Ich laufe in meiner Wohnung auf und ab, den Kopf gesenkt, die Augen auf den beigebraunen Parkettboden gerichtet, äußerlich wie innerlich in einer bedeutungsschweren wie schwer zu fassenden Tiefe versunken, immer zurück zur Ausgangsposition, aus der ich eben kam, gleichwohl in die Gegenrichtung meines Herzens. Wie unterschiedlich aufgeladene Pole stoßen sich die Orte im Raum…

  • Die Nacht, in der ich nicht schlafen konnte

    Die Nacht, in der ich nicht schlafen konnte

    Flüchtig warf sich mein Blick in das Spiegelbild, das es auf dem Weg ins Bett, vorbei an der massiven Holztür, der zeitgeschalteten Stehlampe und dem Bücherstapel, zu passieren galt. Wäre es nicht so dunkel gewesen, hätte ich mich ohne weiteres auf das Bett geworfen; zwei Daunenkissen lagen sorgfältig aufgereiht nebeneinander, die schwarze Decke lappte an…

  • Im Rausch des Frühlings

    Im Rausch des Frühlings

    Vom Sonnenlicht aufgewärmt glühte das blauschwarz karierte Muster des Sitzüberzuges in der Regionalbahn wie die Hitzewallung über dem Grill oder im Hochsommer, die zittrigen Schwingungen der Luft verformten den Raum über der Sitzgelegenheit zu einer andersdimensionalen, schwülduftenden Umgebung, in die sie eintrat, um zum Meer zu fahren. Der Zug kroch aus dem Halt und ließ…

  • Ein offener Brief an das Unterbewusstsein

    Ein offener Brief an das Unterbewusstsein

    Liebes Unterbewusstsein, dich gibt es, seit es mich gibt. Wir koexistieren seit über zwanzig Jahren, ich, mein Bewusstsein, und du, mein Unterbewusstsein. Wir leben nicht erst, seit wir denken können, die fragmentarische Wahrnehmung teilte sich schon bei unserem ersten Augenschlag in uns auf. Vielleicht bist du sogar älter, während mein Bewusstsein noch schlief, hast du instinktiv gehandelt,…

  • Der alte Mann und ich

    Der alte Mann und ich

    Gedankenlos? Bin ich mir sicher? Es durchzuckt mich. Erst leicht, schwach, dann intensiver, spürbarer, jetzt fiebrig und durchgreifend. Ich will es wissen. Ich will wissen was er denkt. Die Gedankenwelt eines geschätzt fünfundachtzigjährigen Rentners, sie ist mir so fern wie nichts, an das ich sonst denke…

  • Chronologie eines Montagmorgens

    Chronologie eines Montagmorgens

    07:30 Uhr: Ich unterbreche mein Buch und muss aufschreiben, dass ich eine fast panische Angst davor habe, dass bei all den wunderschönen Erlebnissen in diesem noch jungen Jahr eine kleine Katastrophe auf mich zusteuert, quasi als Ausglech, dass es mir nicht zu gut gehen soll, dass ich Demut zeigen soll und die wirklich wichtigen Dinge…